Verstopfung - ein Thema in jeder Lebensphase

Als junge Frau - Mißbrauch von Abführmitteln zur Gewichtsreduktion

Kalorienzählen, Verzicht auf Süßigkeiten, exzessives Training – die Hälfte aller Mädchen zwischen 11 und 17 Jahren fühlt sich zu dick und hungert für die vermeintliche Traumfigur. Doch nicht nur Teenager eifern dem Schönheitsideal nach, auch viele erwachsene Frauen sind dem Schlankheitswahn verfallen. Um abzunehmen, greifen sie oft zu abstrusen und gefährlichen Methoden. Eine davon ist die übermäßige Einnahme von Abführmitteln, die aus medizinischer Sicht nur bei Verstopfung, vor einer Darmspiegelung oder nach einem Herzinfarkt zur Vermeidung von starkem Bauchpressen eingesetzt werden sollten. Das Gerücht, Abführmittel würden sich zur Gewichtsreduktion eignen, hält sich hartnäckig, obwohl es falsch ist: Abführmittel beschleunigen zwar die Verdauung, aber die Nährstoffe, sprich: Kalorien, werden schon vorher vom Körper aufgenommen. Stattdessen führt der Missbrauch von Abführmitteln zu Elektrolytstörungen und speziell Kaliummangel, der paradoxerweise Verstopfung, Entzündungen der Darmschleimhaut und ein Reizdarmsyndrom hervorrufen kann.

Daher: Finger weg von Abführmitteln zu Diätzwecken!

Als Schwangere - Verlangsamung der Darmpassage durch Hormone

Verstopfung ist ein typisches Problem in der Schwangerschaft, an dem fast die Hälfte aller werdenden Mütter leidet. Das hat zum einen hormonelle Gründe, weil das Hormon Progesteron nicht nur die Gebärmutter entspannt, sondern auch den Darm ruhigstellt. In der Folge verlangsamt sich der Transport der Speisereste und es dauert länger bis zum nächsten Stuhlgang. So bleibt auch mehr Zeit, dem Nahrungsbrei Wasser zu entziehen, wodurch der Stuhl immer härter wird. Zum anderen entstehen Verdauungsprobleme durch das Gewicht der größer werdenden Gebärmutter, die auf den Darm drückt und diesen verdrängt. Außerdem können Eisenpräparate, die viele Schwangere einnehmen, die Verstopfung noch verschlimmern.

Der träge Darm ist zwar auch in der Schwangerschaft meist harmlos, Sie sollten dennoch Gegenmaßnahmen ergreifen, um Hämorrhoiden zu vermeiden, die durch das starke Pressen entstehen können.

Als Mutter - Verdauungsprobleme bei Kindern

Da die Zusammensetzung der Muttermilch für die Verdauung eines Säuglings optimal ist, kommt es bei gestillten Babys sehr selten zu Verstopfung. Bei ihnen kann die Windel mehrmals täglich voll sein oder auch mal eine Woche leer bleiben. Beides ist kein Grund zur Beunruhigung. Bei älteren Kindern empfiehlt es sich, einen Kinderarzt aufzusuchen, um eine Schilddrüsenunterfunktion, eine Kuhmilchunverträglichkeit oder gar einen Darmverschluss als Ursache für eine Verstopfung auszuschließen. In vielen Fällen steckt eine falsche Ernährungsweise hinter den Verdauungsproblemen von Kindern. Die Maßnahmen, um den kindlichen Darm auf Trab zu bringen, unterscheiden sich nicht wesentlich von denen für Erwachsene (s. Kapitel 4).

Häufig treten die Probleme in der Zeit des Sauberwerdens eines Kleinkindes auf. Als Folge einer schmerzhaften Erfahrung mit der Darmentleerung kann das Kind Angst vor dem Stuhlgang entwickeln und den Stuhl zurückhalten. Oder es trägt Machtkämpfe mit den Eltern "über das Töpfchen" aus. Auf Dauer kann es dadurch zu Verstopfung kommen, die mitunter auch bestehen bleibt, selbst wenn die auslösende Ursache beseitigt wurde. Wenn Sie regelmäßig Spuren in der Unterwäsche Ihres Kindes finden, sollten Sie vom Kinderarzt prüfen lassen, ob sich der Stuhl nicht so verhärtet hat, dass er den Darmausgang versperrt und kleine Kotmengen unbemerkt vom Kind abgehen.

Als ältere Frau - nachlassende Leistungsfähigkeit des Magen-Darm-Trakts

Schmerzende Gelenke, nachlassende Sehkraft, faltige Haut – auf manche Begleiterscheinungen des Alters sind wir zumindest theoretisch vorbereitet. Doch wussten Sie, dass der Alterungsprozess auch vor den Organen nicht haltmacht? Aus diesem Grund klagen so viele ältere Frauen, die in jungen Jahren keine Probleme hatten, über Verdauungsbeschwerden. Die Ursachen sind vielfältig: Kau- und Schluckbeschwerden erschweren die Nahrungsaufnahme und können die Freude am Essen verderben.

Da die Muskelkraft der Speiseröhre nachlässt, verschlucken sich Seniorinnen häufiger. Der Magen produziert weniger Magensäure, was Appetitlosigkeit und ein vorzeitiges Sättigungsgefühl hervorruft. Gifte wie Alkohol und Nikotin oder auch Medikamente werden schlechter vertragen, weil die Schutzfunktion der Magenschleimhaut abnimmt und sich der Magen langsamer entleert. Da der Dünndarm weniger Nährstoffe aufnimmt, kann dies zu Mangelerscheinungen führen. Im Dickdarm verlängert sich die Transportzeit der Speisereste, da die Muskeln, die für die Fortbewegung des Nahrungsbreis zuständig sind, zurückgehen. Ist die Koordination der Schließmuskeln des Enddarms beeinträchtigt, was im Alter ebenfalls häufiger vorkommt, können Störungen des Ausscheidungsablaufs auftreten. Ein verändertes Durstempfinden, geringere Flüssigkeitszufuhr und weniger Bewegung tragen ein Übriges dazu bei, dass es mit der Verdauung nicht mehr so klappt wie früher.

Als pflegende Angehörige - chronische Obstipation bei Pflegebedürftigen

Durch Studien in der Altenpflege weiß man, dass jeder zweite Pflege- und Altenheimbewohner an chronischer Verstopfung leidet. In der häuslichen Pflege stellt sich das Bild nicht viel anders dar, allerdings haben Sie als pflegende Angehörige größeren Einfluss auf das Wohlbefinden der oder des Pflegebedürftigen als das Pflegepersonal in einer Einrichtung. Die oben beschriebenen altersbedingten Veränderungen des Verdauungstrakts gehen bei pflegebedürftigen Menschen oft mit anderen Risikofaktoren einher – Krankheiten wie Demenz und Morbus Parkinson oder die dauerhafte Einnahme von Schmerzmitteln führen häufig zu Verstopfung. Chronische Obstipation kann für die Betroffenen sehr schmerzhaft sein und unbehandelt schwerwiegende Folgen wie Stuhl- und Harninkontinenz, Kotstauung bis hin zu komplettem Stuhlverhalt haben. Bei Demenzpatienten ist es nicht immer leicht, eine Verstopfung zu erkennen, sie reagieren häufig gereizt und ängstlich.

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